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Sonntag, 23. Juni 2013

Eigentor?! 10


Kapitel 9 – Weltuntergang?


Davon – dass am 21.12. angeblich die Welt untergehen sollte, war auch in den frühen Morgenstunden in der friesischen Kreisstadt wenig bis gar nichts zu merken. Und schon gar nicht im Haus der Familie Peters, wo Laurin und Markus um 7:30 Uhr morgens gleichzeitig die Augen aufschlugen und sich verliebt anblinzelten.

„Mei i hob so guat gschlafa, wia lang nimma“, brümmelte Markus zufrieden, während er sich genüsslich streckte.

„I hob a fei guat gschlafa, sauguat mecht i fast soang“, antwortete Laurin kichernd. „Moin, du süßer Halbmillionär. Das mit dem Hochdeutschen üben wir aber noch – jetzt wo du bald ein Jeveraner bist“, schob er extrabreit grinsend nach und gab seinem staunenden Freund einen Kuss auf den Mund. „Und bevor du fragst – ich hab so was wie ein porno- äh fotografisches Gedächtnis, was Dialekte und Sprachen angeht. Und wir waren vor einem Jahr in den Sommerferien zwei Wochen in München“, plapperte der noch nicht ganz Sechzehnjährige weiter munter vor sich hin. Er liebte Sprachen und Sprachen liebten ihn. Mit sechs Jahren konnte er bereits fließend Englisch sprechen, ein halbes Jahr später kam Französisch dazu. „Was ich an körperlicher Größe nicht mitbringe, gleiche ich halt geistig und sportlich wieder aus.“

Seine schulischen Leistungen waren derartig gut, dass seine Lehrer ernsthaft überlegten ihn die elfte Klasse überspringen und ihn das Abitur somit ein Jahr früher machen zu lassen.

Markus hätte dem neben ihm liegenden jungen Mann noch stundenlang zuhören können, aber sie hatten ja definitiv noch etwas vor und außerdem nervte wieder einmal sein Handy, welches der kleine Halbasiate seinem Freund schmunzelnd aus der Hand nahm.

„Lass mich rangehen“, bettelte er kichernd, nahm das Gespräch an, stellte auf Lautsprecher und legte frech grinsend los:

„Lahaurin Peters. Weher stört beim Boysex?“, stöhnte er lasziv.

„Oh, äh – jo mei, is doa net Senner?“

„Nein, ist er nicht, wie Sie wohl deutlich hören können. Wenn Sie irgendwas von ihm wollen Herr Unsinn, dann schicken Sie gefälligst eine SMS oder eine Email oder rufen Sie in zwei Stunden noch mal an. Wir liegen noch im Bett, Sie – Zipflklatscher“, sprachs, legte grinsend auf und schaltete Markus‘ Smartphone aus und gab es seinem Besitzer zurück.

„So und jetzt gehen wir erst mal duschen, hilfst du mir bitte vorher beim Verpacken?“, fragte der Halbasiate, drückte Markus eine Rolle Frischhaltefolie in die Hand und erklärte ihm kurz was er damit zu machen habe.

*****

Im Haus der Familie Senner hatte der Tag für Raffi und Jo wesentlich ruhiger begonnen, auch wenn sich die Eltern zunächst doch wunderten, weil Markus nicht über Nacht mit zurückgekommen war.

„Der war so müde, dass er beim Laurin glatt eingeschlafen ist – da wollten wir ihn nicht unbedingt wecken“, erklärte Raphael, bevor sein Blick auf die Zeitung mit den vier Buchstaben wanderte, die sein Vater in Händen hielt. Der Fall des ehemaligen B-Juniorenspielers Markus Senner war tatsächlich auf die Titelseite gehoben worden.

„Ich möchte wirklich mal gerne wissen, wieso Markus den Verein damals wirklich verlassen musste“, sinnierte Raffis Vater, als er die Zeitung beiseitelegte, um sich endlich der Tasse Kaffee zu widmen, die dampfend vor ihm auf dem Küchentisch stand. Er konnte sich noch gut an den Streit erinnern, der zum Bruch mit ihm und dem Rest der Familie geführt hatte. Herr Senner hatte damals gerade geschäftlich in München zu tun und in dieser Zeit bei seinem Bruder Franz und dessen Frau Elisabeth gewohnt. Markus war zu diesem Zeitpunkt gerade aus dem FCB rausgeworfen worden und die Situation bei ihm daheim eskalierte immer häufiger. „Einmal hab ich zufällig mitbekommen, wie sie Markus damit gedroht haben, ihn in die Kinder- und Jugendpsychiatrie einzuweisen, wenn er nicht endlich wieder ‚normal‘ werden würde. Als ich Franz’l und Sissi am letzten Abend meines Aufenthalts danach fragte, blafften sie mich an, es würde mich nichts angehen und ich solle mich gefälligst aus der Erziehung ihres Sohnes heraushalten.“

„Paps ich sage nur so viel, was wir gerade erleben, ist eine Art blau/weißer Weltuntergang und der eigentliche Grund dafür ist genau kein anderer, als bei Jo und mir. Aber ich denke – das Markus euch alles noch genau erzählen wird, wenn er hier ist.“ Mehr sagte der Sechzehnjährige nicht dazu und biss in eine Hälfte seines Nutellabrötchens, welches Johannes extra für ihn geschmiert hatte.

*****

Inzwischen war es 10 Uhr geworden und Markus und Laurin waren, bei für die Jahreszeit viel zu milden Temperaturen, zu Fuß auf dem Weg in die Altstadt. Der kleine Halbasiate genoss es sichtlich, sich von dem 1,78 Meter großen bald Ex-Münchener, im Rolli über den Marktplatz schieben zu lassen. Dies war in Anbetracht der Tatsache, dass heute wieder Markttag war, auf jeden Fall auch eine gute Entscheidung gewesen, denn der kleinste Rempler hätte für Laurin, wegen der immer noch andauernden Rippenverletzung, neue Schmerzen bedeutet.

„Geschlechtsverkehr! Geeschleeechtsverkehr!“, rief er ein ums andere Mal fröhlich vor sich hin, was auch prompt entrüstete Blicke der übrigen Marktbesucher nach sich zog. „Ja, Entschuldigung, aber wenn ich hier nur klingeln würde, würden Sie uns nicht vorbeilassen“, haute er dann jedes Mal frech grinsend raus, womit er die Lacher dann wieder auf seiner Seite hatte.

„Du bist echt verrückt, weißt du das eigentlich, Laurin Peters?“, fragte Markus, nach dem Laurin ihnen das erste Mal auf diese Weise Platz verschafft hatte.

„Jaaa, total – und zwar nach dir“, konterte der Halbasiate kichernd und setzte erneut zum Rufen an.

„Das ist typisch unser Laurin!“, rief jemand lachend hinter ihnen her, und als Markus sich umdrehte, erkannte er Aaron Lange, der Arm in Arm mit einem blonden Mädchen auf sie zukam.

„Na Kleiner – wie geht’s uns denn?“, fragte Merle Buermeester den Halbasiaten übertrieben höflich, nachdem sie sich zuvor kurz begrüßt hatten. Nicht einmal im Krankenhaus hatte er sich so verarscht und geringschätzig behandelt gefühlt, wie jetzt gerade.

„Wie es uns geht?“, äffte Laurin den Tonfall, dieser Paris Hilton für Arme nach, „Also mir geht es gut, Merle. Wie es bei dir aussieht, weiß ich nicht.“

„Oh – ja, gut. Aber deshalb brauchst du nicht gleich so zickig zu reagieren, bloß weil man einmal nett zu dir ist.“

„Ich und zickig? Komm – lass uns lieber gehen Markus, bevor ich wirklich noch explodiere. Tschüss Aaron, ich melde mich bei dir.“

„Ja – is‘ okay tschüss Laurin und Markus“, rief er den beiden noch hinterher, bevor er die Verfolgung seiner Perle aufnahm, die ohne sich zu verabschieden, abgezogen war.

*****

„Puh, was war das denn eben? Bei uns in München lungern Mädels mit solchen Schleudermäusen meistens am Hauptbahnhof rum.“

„Tja – da kannste mal sehen – und hier bei uns gehen die aufs Gymnasium.“ Laurin war furchtbar angefressen von der neuen Perle seines besten Freundes. Bisher war es ja nur ein Gerücht, dass sie sich die Stimmen der männlichen Mitschüler bei der Klassensprecherwahl, auf der Toilette mit mündlichen Künsten, sozusagen erblasen hatte. Doch als er gerade nebenbei mitbekommen hatte, wie die Gymnasiastin versucht hatte, seinen Markus mit Blicken auszuziehen, da konnte er sich lebhaft vorstellen, dass sie ihren Mund wirklich auch für etwas anderes als Dummschwätzen aufmacht. Und dann die Art, wie sie ihn behandelt hatte, nämlich wie ein Kleinkind, das ging ja mal gar nicht und genau dies wird er Aaron auch bei nächster Gelegenheit sagen.

*****

Auf der anderen Seite des Wochenmarktes kam es derweil zu einer heftigen Szene zwischen Merle und Aaron.

„Sag mal, was sollte das gerade, meinen besten Freund wie ein Kleinkind zu behandeln?“

„Bester Freund? Pah – hör dich mal reden Aaron Lange. Du könntest ruhig ein bisschen dankbarer dafür sein, dass ich mich bei deiner Vergangenheit überhaupt auf dich eingelassen habe.“ Der Sechzehnjährige fasste es nicht. Warf sie ihm wirklich gerade vor, dass er unter Zwang zum Stricher geworden war?

„Das ist jetzt nicht dein Ernst, sag sofort, dass das nicht dein Ernst war“, brüllte er sie den Tränen nahe an. Dieses kleine Biest konnte von Glück sagen, dass er kein Typ ist, der Frauen schlägt.

„Nicht mein Ernst Aaron Lange? Pah, werd mal erwachsen Kleiner!“ Jetzt platzte Aaron endgültig der Kragen.

„Erwachsen? Ich soll erwachsen werden, hörst du dich eigentlich reden? Wer wirft mir denn gerade meine Vergangenheit vor. Glaubst du wirklich, es hat mir Spaß gemacht, unter Zwang den Arsch hinzuhalten?“

„Sprich leiser, was sollen die ganzen Leute von mir denken“, flehte die Elftklässlerin mit schreckensgeweiteten Augen.

„Das ist mir scheißegal Merle Buermeester, von dir lasse ich mir den Mund nicht verbieten. Von dir nicht! Es weiß hier doch eh jeder, wozu ich gezwungen wurde und willst du noch was wissen? Von mir aus kannst du dahin gehen, wo der Pfeffer wächst, mit uns ist es aus!“ Eine weitere Reaktion wartete Aaron gar nicht erst ab, er machte auf dem Absatz kehrt und rannte einfach drauflos. Hatte er mit Merle wirklich in der vergangenen Nacht Sex gehabt? Der bloße Gedanke daran schüttelte ihn jetzt, weil er niemals im Leben gedacht hätte, dass diese Frau so oberflächlich und herablassend sein konnte. ‚Sollte dies etwa der Beginn, des angeblich durch den Maya Kalender prophezeiten Weltuntergang gewesen sein?‘ Dieser abwegige Gedanke ließ Aaron allerdings schon wieder schmunzeln und er beruhigte sich langsam wieder.

*****

Im Rathaus hatte Laurin der netten Dame an der Information gerade mit einer Frage die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Er wollte wissen, wo er und sein Freund Hundesteuer anmelden könnten, weil sie es als Homosexuelle ja meist von hinten machen würden.

„‘Tschuldigung, schlechter Scherz, gaaanz schlechter Scherz“, nuschelte er gespielt betroffen mit dem süßesten Dackelblick, wodurch sich die Gesichtsfarbe der Endzwanzigerin wieder änderte und sie sogar ihr Lächeln wiederfand. Die Frage war ja auch wirklich zu komisch gewesen, wenn sie das ihren Kolleginnen später in der Kaffeepause erzählte, hätten sie wenigstens mal wieder etwas zum Lachen.

„Ich würde gern wissen, zu wem ich gehen muss, um hier meinen ersten Wohnsitz anzumelden“, erklärte Markus ihr in ruhigem freundlichen Ton, nachdem auch er sich wieder beruhigt hatte, weil er sich das Lachen nur ganz schwer verkneifen konnte, als sein halbasiatischer Freund, mit dem ernstesten Gesichtsausdruck, nach der Sache mit der Hundesteuer fragte. Wenigstens hatte er so eine Idee bekommen, was er Laurin zu Weihnachten schenken könnte. Ein Hundehalsband, mit einem roten Herzen aus Leder.

„Das macht Frau de Groot, hier den Gang entlang und dann die zweite Tür auf der rechten Seite“, antwortete sie freundlich und kehrte danach an ihren Schreibtisch zurück, wo soeben das Telefon klingelte.

*****

„Moinsen Lange du Hengst – Glückwunsch!“, hörte Aaron jemand hinter sich herrufen. Als er sich danach umdrehte, erkannte er Jerome de Groot, einen Mitschüler aus Merles Klasse, der direkt auf ihn zukam und dann stehen blieb. „Haste echt klasse gemacht, knappe 24 Stunden, das ist absoluter Gymnasiumsrekord“, brabbelte der Siebzehnjährige munter weiter und schlug seinem Gegenüber anerkennend auf die Schulter. „Oh ich sollte dir vielleicht verraten, dass Merle sich gerade an den Nippeln meiner Zwillingsschwester ausheult und dich voll dizzt, die billige Schlampe!“

„Ach so, daher weht der Wind. Aber lass mich bloß mit der in Ruhe, macht voll die Welle nur, weil ich sie gefragt hab, was dass sollte meinen Kumpel Laurin Peters wie ein Kleinkind zu behandeln.“

„Ne schon klar, auf Laurin hat sie ‘ne Hasskappe, weil er wahrscheinlich ein Jahr früher Abi machen darf. Trotzdem, willkommen im Klub, mich hat sie Anfang der Woche abserviert, weil ichs im Bett angeblich nicht mehr bringe“, erklärte der schwarzhaarige Gymnasiast und bot Aaron eine Zigarette an.

„Eigentlich, versuche ich mir das ja gerade wieder abzugewöhnen. Aber egal“, reagierte der Blondschopf und nahm die ihm angebotene Zigarette an.

„Mal unter uns ‚Brüdern‘, du kennst doch sicher auch dieses Gerücht, wie sie Klassensprecherin geworden ist oder?“ Aaron nickte bestätigend. „Es gibt keinen Jungen in unserer Klasse, dem sie es vorher nicht wenigstens mit dem Mund besorgt hat.“ Dass Merle darin besonders gut war, wusste Aaron aus eigener Erfahrung. Heute früh war er von der amtierenden ‚Miss Schleudermäuse 2012‘ auf diese Weise geweckt worden, aber wenn er dies alles vorher gewusst hätte, was dieser Jerome ihm in den folgenden Minuten noch so alles über Merle verriet, hätte er sich garantiert niemals auf diese Vorzeigeschlampe eingelassen.

„Also – mach dir darum jetzt bloß keine Kopfschmerzen mehr. Übrigens gebe ich heute Abend eine kleine Weltuntergangsfete, ganz zwanglos und ohne Weiber. Wenn du Lust hast, komm einfach um 20 Uhr bei mir vorbei“, lud der Elftklässler ihn mit einem Augenzwinkern ein und drückte Aaron, bevor sie sich verabschiedeten, noch schnell seine Visitenkarte in die Hand.

*****

Wenn es darum ging, das Familienfrühstück im Hause Özil durch ‚besondere‘ Fragen zu bereichern, war es garantiert der elfjährige Erkan, der diese Aufgabe mit geradezu aufopferungsvoller Hingabe und Peinlichkeitsgarantie erfüllte. Dies bekam diesmal besonders Malte zu spüren, der seinen Freund Ergün, nach einer wundervollen Liebesnacht, heute früh auf besonders zärtliche Weise geweckt hatte. Leider hatten beide nicht mitbekommen, dass Erkan sich leise in das Zimmer des großen Bruders geschlichen hatte und so Augenzeuge, dieser wirklich seltsamen Form der ‚Ersthilfe‘ geworden war.

Erkans Klasse hatte nämlich erst vor wenigen Tagen einen ‚Erste Hilfe Kurs‘ für Kinder mitgemacht. Mund zu Nase oder Mund zu Mundbeatmung, durften sie an einer ‚Opferpuppe‘ üben und Erkan hatte es dabei als einziger geschafft, die Puppe zum Rülpsen zu bringen, was für allgemeine Erheiterung unter den Mitschülern sorgte. Aber, dass man den da unten auch beatmen konnte, zumindest sah es für den Elfjährigen so aus, davon war ihnen nichts erzählt worden und Ergüns Seitenlage war auch alles andere als stabil, so wie der sich dabei gebärdet hatte.

„Sag mal Ergün, hattest Du Atemstillstand oder warum hat Malte vorhin deinen Puller im Mund gehabt?“, haute der Elfjährige raus, kurz, nachdem sich sein Bruder und dessen Freund an den Frühstückstisch gesetzt und den ersten Schluck türkischen Tee genossen hatten. Bülent, der vorher noch ein wenig verschlafen wirkte, spitzte hellwach die Ohren und Aische fiel vor Schreck ihr Brotmesser aus der Hand. Was hatte Erkan da gerade gefragt?

„Aishe, Erkan, Bülent, ab auf eure Zimmer!“

„Mist! Immer wenns spannend wird“, protestierte der achtjährige Bülent, bevor auch er der Anweisung seines Vaters folgte und mit seinem Fladenbrot das Weite suchte. Ergün und Malte wären am liebsten im Erdboden versunken, so peinlich war es den beiden Teenagern, dass sie von Erkan, bei ihrer morgendlichen Aktivität, erwischt worden waren.

Gefühlte -150° herrschten mittlerweile im Raum. Frostiger hätte die Stimmung also nicht sein können, als Eva in die Küche zurückkehrte und die drei Verbliebenen, immer noch vor sich hinschweigend vorfand, weil keiner von ihnen den Mut hatte, das erste Wort zu sagen. Während Ergün und Malte sich nicht einmal trauten dem Hausherrn offen ins Gesicht zu blicken, taxierte Murat sie die ganze Zeit und versuchte irgendwie seine Fassung zurückzugewinnen.

„Murat, ich hab doch nun wirklich oft genug gepredigt, dass es Zeit wird, Ergün den Zimmerschlüssel zu geben. Aber du wolltest ja nicht auf mich hören“, haute Eva ohne Erbarmen raus. Seit drei Jahren diskutierten sie jetzt schon in regelmäßigen Abständen darüber. Auch damals war es Erkan gewesen, der eines Morgens beim Frühstück wissen wollte, was bei Ergün für eine seltsame weiße Flüssigkeit aus dem Puller gespritzt war, nachdem er ihn eine Weile gerieben hatte. Damals war der Achtjährige dann nach längerem Hin und Her aus Ergüns Zimmer aus- und bei dem jüngsten Sohn Bülent mit einquartiert worden. Als der mittlerweile sechzehnjährige Sohn sich jetzt kürzlich geoutet hatte und mit Malte seinen festen Freund vorstellte, hatte Eva erneut versucht Murat endlich davon zu überzeugen, dem Großen den Schlüssel für sein Zimmer zu geben.

Aber nein – der stolze, türkischstämmige Hausherr war wieder nicht bereit einzulenken und jetzt hatten sie die vorweihnachtliche Bescherung. Erkan hatte seinen großen Bruder beim Sex mit Malte erwischt.

„Ja, ich weiß“, nuschelte der Angesprochene betreten, „aber wer rechnet auch mit so was.“

„Jetzt hört sich doch wohl alles auf Murat Özil. Wir wissen seit drei Jahren, dass Ergün geschlechtsreif ist. Meine Güte, er ist jetzt sechzehn Jahre alt und hat einen festen Freund. Hast du wirklich geglaubt, dass sie sich mit Händchenhalten und Knutschen zufriedengeben?“

Nein – das hatte er natürlich nicht. ‚Aber – man wird sich doch wohl noch rausreden dürfen‘, schoss es dem Ehemann durch die Hirnrinde. Murat wusste genau, dass es jetzt besser war, klein beizugeben und einzulenken, wenn er in der nächsten Zeit nicht besonders kleine Fladenbrote backen wollte.

„So, hier hast du den Zimmerschlüssel“, sagte Eva milde lächelnd und schob ihn ihrem Sohn Ergün rüber.

„Aber – wehe deine Geschwister …“, ‚… bekommen noch mal was mit‘, wollte der Familienvater noch sagen, ließ es dann aber doch lieber bleiben, um sich den Zorn Evas nicht endgültig einzufangen.

„Danke Ma – wir passen ab jetzt auch noch besser auf“, stammelte Ergün erleichtert und steckte den Schlüssel schnell ein, bevor er und Malte zunächst die Küche und später das Haus verließen.

*****

Im Rathaus war zwischenzeitlich alles nach Wunsch verlaufen. Markus hatte auf seinem Ausweis jetzt als vorläufige Anschrift die Adresse von Raffis Eltern stehen, Frau de Groot hatte auch gleich seine Abmeldung aus München abgewickelt und der Neujeveraner hatte auch gleich noch einen neuen Ausweis beantragt, da seiner eh in ein paar Monaten erneuert werden müsste. Gleichzeitig durfte Laurin seinen Perso bereits in Empfang nehmen, da dieser schon fertig war und er ihn sonst an seinem sechzehnten Geburtstag Anfang Januar oder kurz danach hätte abholen müssen.

„Öhm Schahatz? Hoffentlich war ich dir jetzt nich‘ zu peinlich vorhin in der Altstadt und im Rathaus. Das ist halt manchmal so – wenn ich richtig gut drauf bin, dann denk ich vorher nich‘ richtig nach“, flüsterte Laurin seinem Freund kichernd ins Ohr, während sie im Schlosspark in der Nähe des Eingangs auf einer Parkbank saßen und miteinander kuschelten.

„Ist doch alles okay, ich sag dir das schon, wenn es wirklich zu viel werden sollte“, antwortete Markus grinsend und gab seinem Freund einen Kuss. „Uuups, ich glaub, ich sollte mal kurz den Unsinn anrufen, mal sehen, was der mitten in der Nacht von uns wollte.“ Markus hatte uns gesagt, das fand der Halbasiate richtig süß. Sie kannten sich jetzt noch nicht einmal einen Tag und doch fühlte es sich an, als seien bereits Jahre vergangen.

„Küss mich bitte schnell noch mal, bevor ich aus diesem Traum aufwache“, hauchte er seinem Freund entgegen, während der sein Smartphone aus der Hosentasche fischte und es kurz darauf einschaltete.

„Du bist doch wach – Süßer.“

„Ach egal – küss mich einfach“, forderte der Halbasiate schmunzelnd ein. Dem hatte Markus nichts mehr entgegenzusetzen, außerdem war es geradezu ein Vergnügen die sinnlichen weichen Lippen, dieses süßen Boys zu berühren und seine Zunge in die Mundhöhle des kleinen Asiaten eintauchen zu lassen, der sein Herz sozusagen im Sturm erobert hatte. Mit Laurin hatte Markus endlich den Mann gefunden, mit dem er für den Rest seines Lebens zusammenbleiben wollte.

*****

Nachdem sie fünf Minuten lang miteinander geschnäbelt hatten, lösten sie sich voneinander und telefonierten beide erst einmal eine Runde. Wobei Markus sein Gespräch ziemlich schnell beendet hatte. FCB Präsident Unsinn wollte lediglich wissen, welche Adresse er ab Bremen Flughafen als Zielpunkt in das Navigationssystem des Mietwagens eingeben sollte. Diese Information hätte Unsinn viel schneller haben können, indem er GoogleMaps oder Telefonbuch.de bemüht hätte, was Markus ihm auch unmissverständlich so sagte, bevor er das Gespräch nach zweieinhalb Minuten wieder beendete.

Laurin brauchte da schon etwas mehr Zeit, denn er hatte seinen besten Freund Aaron in der Leitung, und als er hörte, was diesem zwischenzeitlich widerfahren war, lotste er ihn in den Schlosspark, wo dieser nur wenige Minuten später eintraf.

„Och Mensch Aaron, komm lass dich umarmen.“ Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Sechzehnjährige durchgehalten, indem er sich einfach sagte, dass es ihn überhaupt nicht berührte, dass Merle Buermeester mit seinen Gefühlen nur gespielt hatte. Doch als er jetzt in den Armen seines besten Freundes mit dem Kinn auf dessen Schulter ruhte und dieser ihn mit ganz ruhiger Stimme leise tröstete, da löste sich die ganze innere Anspannung und die Tränen kullerten ungebremst aus seinen Augen. Ja, auch so konnte unser kleiner Laurin sein, wenn man ihn ließ. Denn der Halbasiate hatte ein sehr feines Gespür dafür, wie man auf andere Menschen eingehen muss.

„Sie hat mit mir gespielt, nur um mich ins Bett zu kriegen und ich habe wirklich geglaubt, dass sie mich liebt“, wimmerte der Sechzehnjährige heulend vor sich hin. Der kleine Halbasiate hatte etwas Ähnliches im Stillen befürchtet, als er auf dem Wochenmarkt mitbekommen hatte, um welche Merle es sich handelte. Er war nämlich den ganzen November über testweise im Spanisch Leistungskurs für die Elfer gewesen. Dort hatte er dann unter anderem auch diese Merle kennengelernt, die sich von der ersten Sekunde auf ihn den Zehntklässler eingeschossen hatte. Während die anderen Kursteilnehmer sich ihm gegenüber völlig normal verhielten und sogar Tipps von ihm wollten, als sie merkten, dass er lerntechnisch schon viel weiter war als sie alle zusammen. Dabei lernte er dann auch Jerome de Groot kennen, den Sohn der Dame bei der sie heute Vormittag im Rathaus gewesen waren. Die beiden verstanden sich recht gut miteinander und so hatte Laurin Jerome am Ende sogar Spanischnachhilfe angeboten, falls er irgendwann einmal Probleme haben sollte.

„Wie die drauf ist, hätte ich dir auch sagen können. Als du gestern von ihr erzählt hast, wusste ich erst nicht mehr genau, wer sie ist. Erst als sie vorhin mit dir auf dem Wochenmarkt gewesen ist, wusste ich wieder Bescheid. Deshalb hatte ich ja sofort gesagt, ich melde mich bei dir“, erklärte der Dunkelhaarige seinem besten Freund, nachdem dieser sich endlich wieder beruhigt hatte.

„Ach ist ja auch egal jetzt – passiert ist passiert und irgendwie bin ich ganz froh darüber, dass ich ihren wahren Charakter so schnell erkannt habe. Heute Abend bin ich übrigens zur Weltuntergangsparty bei Jerome de Groot eingeladen. Da werd ich hingehen und mir einmal ordentlich die Kante geben.“

„Mach das, aber pass trotzdem auf dich auf. Der Jerome ist nämlich kein Kostverächter, der steht auf süße Jungs, jede Wette“, haute Laurin erleichtert raus, weil er seinen Freund Aaron endlich wieder lachen hörte.

„Laurin, das wäre mir absolut egal, weil du mir gezeigt hast, dass Liebe auch mit Jungen schön sein kann. Wenn Jerome es wirklich ernst mit mir meint und nicht nur mit meinen Gefühlen spielt, wie eine gewisse Oberstufenschlampe aus der Elften, dann bin ich zu allem mit bereit.“ Aaron musste über sich selber staunen, aber es war wirklich seine tiefste Überzeugung, mit der er dies sagte. Markus hatte gerade bei diesen letzten Sätzen sehr genau zugehört und blickte mit großen Augen zwischen den Jungs hin und her.

„Keine Angst Schatzi, dich geb ich nie wieder her. Aaron und ich hatten ein bisschen, was miteinander, aber wir sind, jetzt wirklich nur noch gute Freunde und nein – im Popo war bei mir noch niemand. Der ist ganz alleine für dich reserviert.“

*****

Raphael und Johannes hatten derweil endlich ihre Aussage, gegen ihren ehemaligen Trainer Marco Verheugen, hinter sich gebracht, was sich allerdings zunächst recht nervig für die beiden Jugendlichen gestaltet hatte. Die Polizeibeamtin, eine Frau von Mitte vierzig, machte auf sie schon einen eher lustlosen, genervten Eindruck, als sie die beiden Sechzehnjährigen in ihr Büro treten sah. Und genau diesen ersten Eindruck verstärkte sie noch und kultivierte diesen, während der folgenden Einzelvernehmungen, indem sie versuchte den Jungs ihre Worte im Munde herumzudrehen. Zumindest versuchte sie es. Denn bei Johannes Selders war sie mit dieser ‚Taktik‘ an der falschen Adresse gelandet. Als Polizistensohn kannte er seine Rechte nicht nur, sondern machte, wenn nötig, auch Gebrauch davon. Gleich beim ersten Versuch ihrerseits, ihn zu verunsichern stand der Sechzehnjährige auf, kündigte seinem Gegenüber ernsthafte Konsequenzen an und ging danach postwendend zum Büro des Dienstellenleiters, welcher zufällig ein langjähriger Freund seines Vaters und sein Patenonkel war, um sich dort über dieses unmögliche Verhalten zu beschweren.

Das auf Johannes‘ Beschwerde folgende Donnerwetter, welches sein Onkel daraufhin über der Untergebenen niederprasseln ließ, war alles andere als druckreif und konnte durchaus, passend zum Datum, mit einem Weltuntergangsszenario verglichen werden.

„Kommen mir noch einmal Klagen über Sie zu Ohren, dürfen Sie künftig Knöllchen schreiben gehen. Ich hoffe wir haben uns verstanden Weguscheidt!“, schloss der Dienststellenleiter, verließ das Büro und nahm die ‚Aussagen‘ von Johannes und Raphael anschließend persönlich zu Protokoll.

*****

Alles in allem betrachtet waren die beiden Sechzehnjährigen erleichtert, dass sie wenigstens diese Sache endlich hinter sich hatten, doch jetzt freuten sie sich auf die Weihnachtsfeier mit ihrem Team. Diese würde ja durch das, wenn auch nicht ganz Freiwillige, auftauchen vom FCB-Präsidenten Unsinn einen besonderen Höhepunkt erleben.

„Ich glaube – wenn der wüsste, was ihn hier bei uns erwartet, würde er erst gar nicht hier aufkreuzen“, mutmaßte Raphael schmunzelnd und stieß mit seinem Cousin an. Markus wollte nicht den ganzen Abend als einziger trocken sitzen. Deshalb hatte er für Laurin, Malte, dessen Freund Ergün und sich einfach ein Taxi bestellt, mit welchem du Jungs dann zum Schützenhof transportiert worden waren.

Dort angekommen war der Ex-Münchener, als Ehrengast ihrer beiden Trainer, auch sofort herzlich empfangen und in ihre muntere Runde integriert worden. Was nicht zuletzt der Information geschuldet war, dass sie mit Markus Senner ein ehemaliger U-17 Nationalspieler, an ihrer Feier teilnehmen würde.

„Darf ich haben ein Autogramm von dir?“, fragte Pawel bereits nach wenigen Minuten. „Schließlich warst du mal ein berühmter Fußballer“, schob er stolz hinterher. Bartek hatte sich in den letzten Wochen und Tagen intensiv um den polnischstämmigen Jugendlichen bemüht und mit ihm ausschließlich Deutsch gesprochen. Sicher hin und wieder verwechselte er noch Reihenfolge und Grammatik, aber insgesamt fühlte er sich wohler mit der ‚Fremdsprache‘, was man dem jungen Mann auch deutlich anmerken konnte. Markus musste nach der Frage des Sechzehnjährigen erst einmal kurz schlucken. Schließlich war es mittlerweile mehr als vier Jahre her, dass er zuletzt Autogrammwünsche erfüllte. Damals hatte er noch eine glänzende Zukunft im Bayerntrikot und dem der Nationalmannschaft vor sich, doch dann tauchten diese Handyfotos auf und sein großer Traum zerplatzte wie eine Seifenblase.

Dennoch fühlte es sich auch gut an, mal wieder ein Autogramm zu geben und als er dann auch noch gefragt wurde, warum er denn nicht mehr Fußball spielen würde, beantwortete Markus diese Frage frei von der Leber weg.

„Boah was ein Drecksladen dieser FCB. Na dem werden wir es heute aber mal ordentlich zeigen“, machte Sergey seinem Unmut Luft und sprach damit aus, was alle anderen Spieler über den amtierenden Herbstmeister und dessen Präsidenten Unsinn dachten.

*****

Markus Senner fühlte sich richtig wohl auf dieser Vereinsweihnachtsfeier. Er musste weit zurückdenken, wann er so etwas das letzte Mal erlebt hatte. Seit er damals in die Münchener U 16 rüberwechselte, ging es doch nur noch um die sportliche Leistung und spätere Karriere, als Profispieler. Grundwerte wie Spaß, Zusammenhalt und Freundschaft rückten immer mehr in den Hintergrund. Alles war eben auf den Sprung in den Bundesligakader oder Transfers zu anderen Profivereinen ausgerichtet. Sicher auch hier wurde der Traum von dem Sprung in die Fußballbundesliga geträumt und von dem, was er so raushörte, war die Hoffnung entdeckt zu werden, bei einigen dieser jungen Männer mehr als berechtigt.

Natürlich ließen sie in dieser lustigen Runde auch noch einmal ihren jüngsten Erfolg Revue passieren. Ihren Sieg gegen die immerhin zwei Spielklassen über ihnen spielende U-17 Mannschaft des VFL. Der Zwanzigjährige hatte davon gelesen, und als er dann auch noch den Namen seines Cousins Raphael in der Aufstellung der Kiebitze gelesen hatte, wusste er, wohin seine ‚Reise‘ ihn führen könnte. Deshalb zögerte er auch keinen Augenblick, als er die Stellenausschreibung des Landkreises im Internet fand.

„Du sag mal, spielst du eigentlich noch Fußball?“, riss ihn Sebastian Böhm aus seinen Gedanken.

„Seit dem Rauswurf aus dem FCB nicht mehr. Aber mit dem Kraft- und Ausdauertraining habe ich niemals ganz aufgehört“, antwortete der Neujeveraner mit fragendem Blick.

„Naja, wir sind zwar keine Spitzenmannschaft, wie unsere B-Jungs, aber wenn du Lust hast – für einen Spieler wie dich haben wir immer Platz in unsrem Team.“ Markus musste nicht lange überlegen, dieses Spiel mit dem runden Leder bedeutete ihm immer noch sehr viel. Sicher, er würde nur als Amateur spielen können, aber wenigstens hatte er hier einen Verein gefunden, in dem seine sexuelle Ausrichtung nicht von Bedeutung sein würde. Außerdem wäre dies eine Möglichkeit, in seiner neuen Heimatstadt richtig Fuß fassen zu können und nicht nur als Zugreister angesehen zu werden. Ein Lächeln spielte um sein Gesicht, als er dem Spielertrainer der ersten Herrenmannschaft, von dem er zwischenzeitlich erfahren hatte, dass dieser in Nürnberg geboren war, zusagte in den Verein einzutreten.

*****

Als sich gegen 19:00 Uhr die Saaltür öffnete und die Jugendlichen erkannten, wer da soeben eingetreten war, erhob sich ein gellendes Pfeifkonzert, welches darin gipfelte, dass Unsinn auch noch mit Grünkohl und anderen Essensresten abgeworfen wurde.   

„Jetzt muss ihm aber auch jemand was zum Nachspülen geben“, schlug Laurin kichernd vor. Hier ließ sich Pawel nicht lange bitten, er saß dem verdutzt dreinschauenden Vereinspräsidenten aus Bayern am Nächsten. Also stand er mit seinem noch vollen Bierglas auf, ging auf Unsinn zu, tat so als würde er stolpern und schüttete im Fallen den Gerstensaft über Unsinn aus.

„SCHWAAAALBE!“, schrien seine Mannschaftskameraden grinsend.

„Ich weiß – ich wollt‘ ja auch nur kontrollieren, ob meine Schnürsenkel richtig zu sind“, konterte der polnischstämmige Jugendliche lachend (denn er trug weiße Sneakers, die nicht geschnürt werden mussten), richtete sich wieder auf und kehrte an seinen Platz zurück.

Unsinn stand wie vom Donner gerührt, ausgepfiffen, über und über besudelt da und musste zu allem Überfluss auch noch wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen, bevor Raffi, Jo und Markus die ‚Meute‘ zur Ruhe riefen.

„So – Herr Unsinn ich zeige Ihnen dann jetzt wo Sie sich restaurieren können“, riss Markus den Münchener Vereinspräsidenten aus seiner Schockstarre, in die dieser gefallen zu sein schien, bevor sie gemeinsam mit Laurin, Raphael und Johannes, den Saal verließen.

*****

Jahrelang unbemerkt Steuern zu hinterziehen, war mit Sicherheit leichter für den FCB-Präsidenten gewesen, als dass was ihm an diesem Abend noch bevorstand. Denn Markus Senner war nicht dazu bereit auch nur einen Millimeter von seinen Forderungen abzuweichen. Schlimmer noch, der Zwanzigjährige forderte von Unsinn, ohne Ausflüchte in der Pressekonferenz zuzugeben, dass er ihn wegen seiner ‚Homosexualität‘ aus der Mannschaft und dem Verein geworfen und ihm durch Lügen die sportliche Karriere als Fußballprofi verbaut hatte.

„Nein Herr Unsinn, so läuft das nicht – wenn Sie es nicht sagen, dann werde ich es tun und Sie können mir glauben, wenn ich sage, dass es dann noch teurer für Sie wird. Und damit meine ich nicht das Geld, welches Sie mir als Entschädigung zahlen.“ Man hätte die Luft im Raum schneiden können, so dick war sie, nachdem Markus dies gesagt hatte. Drei Augenpaare waren jetzt auf den Bayern Präsidenten gerichtet, der das Gefühl hatte mitten in einem Orkan zu sitzen. Denn auch Laurin, Raphael und Johannes hatten es sich nicht nehmen lassen den Sechzigjährigen ebenfalls zur Schnecke zu machen, als dieser immer noch versuchte das Geld schweigend zu bezahlen und alles Andere unter den Tisch fallen zu lassen. Laurin ging daraufhin, zur Überraschung seiner Freunde, sogar noch einen Schritt weiter, als er merkte, dass ihre Argumente bei dem Bayernpräsidenten nicht den gewünschten Erfolg hatten. 

„Mei – kenna Sie Dusel ham, dass i noch verletzt bin – Sie Zipflklatscher, sonst hätt i Sie jetza am Kragn gschnappt  und mit iahna a weng Judo trainiert. So reichts grad noch für a saftige Watschn“, polterte Laurin ohne Vorwarnung los, holte aus und im nächsten Augenblick klatschte es.  Der fast Sechzehnjährige erkannte sich in dieser Situation selbst nicht wieder, wie er seinen Freunden später gestand. Es war das erste Mal, dass er zu dieser Form der Argumentationsverstärkung gegriffen hatte und er fühlte sich auch nicht besonders toll dabei. Aber – die Aktion verfehlte ihr Ziel nicht und Unsinn lenkte endlich ein.

Kommentare:

  1. Also habe mir nach langer Internetpause heute mal wieder das neuste vom neusten zu gemüte führen müssen.

    Es war wie ich mir nach den ersten drei Worten schon dachte sicherlich kein Fehler die 10 Teile Eigentor zu lesen und das direkt nacheinander, gibt meiner Meinung nach nur ein Problem... Der elfte, zwölfte, dreizehnte.......... usw. Teil fehlt mir nun um heute Nacht gut schlafen zu können.

    Also sei geklärt wie immer geil geworden ;-) Immer weiter so

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  2. Ja, frage mich auch, wie lange die Fortsetzung von "Eigentor" aber auch von "Halbblut" wohl noch dauern...

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